Hintergründe

In den letzten Jahren sind nachhaltigkeitsorientierte Kapitalanlagen stärker in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt. Entsprechend hoch ist daher der Informationsbedarf. Im Folgenden werden Informationen zu wichtigen Fragen rund um das Thema nachhaltiges Investment gegeben.

Nachhaltiges Investment – was ist das?

Die Bezeichnungen sind vielfältig (prinzipiengeleitetes, ethisches, grünes, ökologisches oder nachhaltiges Investment), das Grundprinzip ist aber gleich: Bei der Geldanlage werden neben den klassischen quantitativen Anlagekriterien Rendite, Risiko und Liquidität auch qualitative Kriterien berücksichtigt, also wie das Geld investiert wird.

Insgesamt heißt nachhaltiges Investment, dass die investierten Gelder so angelegt werden, dass die Investitionen die heutigen Bedürfnisse befriedigen ohne die Ressourcen der kommenden Generationen zu gefährden. Diese Definition von Nachhaltigkeit geht auf den Brundtland-Bericht von 1987 zurück.

Die Wurzeln des nachhaltigen Investments lassen sich bis ins viktorianische Zeitalter zurückverfolgen und liegen in Nordamerika und England. Dort waren es vor allem Mitglieder der sittenstrengen Bewegung der Quäker, die schon vor der industriellen Revolution ihre Anlagephilosophie auf die Vermeidung von Investments in den Bereichen der Sklaverei und Waffenherstellung abstimmten. Des Weiteren wurde versucht, Geld nicht in so genannten „sin stocks“ anzulegen, worunter man Unternehmen der Alkohol-, Tabak- und Glücksspielindustrie verstand. Für diese Art des Investments hat sich im angelsächsischen Raum der Begriff „ethical“ oder „social responsible investment“ herausgebildet. Im Deutschen wird entsprechend der Begriff des ethischen Investment verwendet.

Der Einzug des Ethikgedankens in das Fondsinvestment erfolgte nach vorherrschender Auffassung im Jahre 1928 mit der Auflage des Pioneer Fund in Boston. Dieser war darauf ausgelegt, die Bedürfnisse streng religiöser Gruppen zu erfüllen. Daraus ist die enge Verknüpfung der Entwicklung des ethischen Investments mit kirchlichen Institutionen ersichtlich, die auch heute noch bei manchen Fonds gegeben ist. Erst in den 60er Jahren kam es vor dem Hintergrund des Vietnamkrieges und den damit verbundenen Friedensbewegungen zu einem weiteren Schub im Bereich des ethischen Investments in den USA. Einer der Auslöser dafür war der Versuch von Aktionären, Einfluss auf die Geschäftspolitik des Chemieunternehmens Dow Chemicals auszuüben. Das Unternehmen stellte damals das Giftgas für die Kriegsführung in Vietnam her.

Ende der siebziger und in den achtziger Jahren kam es in den USA zur Auflage einer Reihe ethischer Fonds, wie bspw. des Pax World Fund (Auflage 1970) oder des Dreyfuß Fund (Auflage 1972), die am gestiegenen Problembewusstsein der Bevölkerung partizipieren wollten. Dieses war mit dem Vietnamkrieg und der Apartheidpolitik in Südafrika, die Ende der siebziger Jahre auf zunehmende Ablehnung stieß, wesentlich gestiegen und äußerte sich in einem Boykott der in Südafrika tätigen US-amerikanischen Unternehmen wie z.B. General Electric und General Motors.

Seit ungefähr 20 Jahren weitet sich das prinzipiengeleitete Investment auch auf den Bereich der Ökologie aus. Als Gründe dafür können Umweltkatastrophen wie Seveso, Bhopal, Tschernobyl oder Exxon Valdez, verbunden mit einem zunehmenden Bewusstsein für globale Umweltprobleme wie bspw. den Treibhauseffekt, angenommen werden. Vor diesem Hintergrund wächst nicht nur das ökologische Investment sondern auch das Investment in Umwelt- und Klimatechnologien, wie erneuerbare Energien und knapper werdende Ressourcen (z.B. Wasser).

Im Gegensatz zu den USA hat das prinzipiengeleitete Investment im deutschsprachigen Raum eine jüngere Geschichte. Die ersten ökologieorientierten Anlageprodukte wurden den Anlegern von der 1974 gegründeten GLS Gemeinschaftsbank e.G. und der 1988 gegründeten Ökobank e.G. angeboten. Dabei handelte es sich um Anlagemöglichkeiten wie Ratensparkonten, Sparkonten und Festgeldanlagen. Der erste Investmentfonds im deutschsprachigen Raum, auf den der Name Umweltfonds zutrifft, war der im Jahre 1989 aufgelegte Fonds Luxinvest ÖkoRent der Bank für Gemeinwirtschaft (BfG).

Eine Besonderheit der in Deutschland beheimateten Fonds ist, dass die Bundesaufsicht für Finanzdienstleistungen (BaFin) Fonds mit ökologisch-ethischen Anlagekriterien nicht mit der Bezeichnung "ethische Fonds" zulässt. Das wird damit begründet, dass der Begriff "Ethik" nicht präzise zu definieren und damit eine eindeutige Abgrenzung zu anderen Fonds nicht möglich sei. Das widerspreche dem geforderten Anlegerschutz. Aus diesen und aus steuerlichen Gründen werden viele Fonds in Luxemburg aufgelegt. Für die Vertriebsbewilligung in Deutschland ist ebenfalls die BaFin zuständig.

Welche Anlageformen gibt es?

Für den ethisch, sozial oder ökologisch motivierten Anleger gibt es verschiedene Anlageformen, die vor dem Hintergrund der jeweiligen finanziellen Voraussetzungen und Ziele ausgewählt werden können. Im Einzelnen lassen sich folgende Anlageformen unterscheiden:

  • Aktien
  • Direktbeteiligungen
  • Investmentfonds
  • Lebensversicherungen
  • Rentenpapiere 
  • Sparbriefe, Sparkonten, Festgelder

Wegen ihrer besonderen Bedeutung und dem potenziellen Beitrag zur Förderung einer nachhaltigen Wirtschaftsweise stehen auf dieser Plattform die Investmentfonds im Vordergrund.

Wie entwickelt sich der Markt?

Trotz der Turbulenzen in der vergangenen Zeit kann der Markt für nachhaltige Publikumsfonds insgesamt ein deutliches Wachstum verzeichen. Dies zeigt sich am Marktvolumen und der Anzahl der Fonds.

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Wie sich der Fondsmarkt entwickelt, können Sie den regelmäßig publizierten Marktberichten auf dieser Plattform entnehmen.

Wie kommen die Fonds zu den Anlageentscheidungen?

Die Auswahl der Titel für die Portfolios vollzieht sich in mehreren Schritten:

1. Vom Titeluniversum zu den Investitionskandidaten:

In einem ersten Schritt werden Unternehmen oder Staaten aus dem Titeluniversum aller möglichen Titel danach beurteilt, ob sie generell in Frage kommen.

In einem ausführlichen Bewertungsverfahren werden die Titel hinsichtlich ihrer Umwelt- und Sozialperformance untersucht. Dieser Schritt läuft fondsspezifisch nach unterschiedlichen Kriterien ab. Differenzierungsmerkmale sind:

  • Kriterien für Unternehmensauswahl und
  • Ausschlusskriterien.

2. Von den Investitionskandiaten zum Anlageuniversum:

Auf Basis dieser Vorauswahl werden die Titel einem ausführlicheren Bewertungsverfahren unterzogen. Dieses Bewertungsverfahren ist für die unterschiedlichen Fonds zu differenzieren nach:

  • der Form des Researchs und
  • den Bewertungskriterien.

Dieser Schritt gliedert sich in den Teil der qualitativen Bewertung (nach sozialen, ethischen und/oder umweltbezogenen Kriterien) und in die quantitative Finanzanalyse, wobei die zeitliche Anordnung sich von Fonds zu Fonds unterscheidet. Titel, deren sozial-ökologische und finanzielle Performance sich als positiv für den Fonds erweisen, bilden das Anlageuniversum.

Zur Durchführung der sozial-ökologischen Titelbewertung bedarf es Informationsanbietern, die den Portfoliomanager mit relevanten Informationen zu den Titeln versorgen. Diese Informationen können von der Fondsgesellschaft selbst oder von externer Stelle durch Rating- und Research-Agenturen beschafft werden. In beiden Fällen erfolgt eine sozial-ökologische Bewertung, die als Informationsinstrument zur Entscheidungsunterstützung aufgefasst wird. Die Bewertungsmethoden operationalisieren die in der Anlagepolitik der Fonds formulierten Kriterien zur sozial-ökologischen Qualität. Die Form des Researchs lässt sich dahingehend unterscheiden, ob die sozial-ökologische Bewertung der Unternehmen durch die Fondsgesellschaft selbst – intern – durchgeführt wird, oder an Dritte ausgelagert, also extern durchgeführt wird.

Basis für die Bewertungsverfahren sind die fondsspezifischen Bewertungskriterien, anhand derer darüber entschieden wird, ob die Titel in das Anlageuniversum aufgenommen werden und damit generell für ein Investment in Frage kommen, oder ob ein Investment nicht mit den Grundsätzen der Strategie und der Philosophie des Fonds in Einklang zu bringen ist. Das Anlageuniversum bezeichnet also den Pool von Titeln, die bereits ausführlich untersucht wurden und aus sozial-ökologischen und wirtschaftlichen Gründen für ein Investment in Frage kommen.

3. Vom Anlageuniversum ins Portfolio:

Die Auswahl, ob ein Titel aus dem Anlageuniversum in das Portfolio des Fonds aufgenommen wird, ob also konkret in das Unternehmen investiert wird, erfolgt nach fondsspezifischen

  • Bewertungskriterien und
  • Anlageschwerpunkten.

Anhand dieser Bewertungskriterien entscheidet das Portfoliomanagement des Fonds, in welche Unternehmen mit welchen Anteilen investiert wird. 

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Nach welchen Kriterien kommen die Fonds zu den Anlageentscheidungen?

Das sozial-ökologische bzw. nachhaltigkeitsbezogene Fondsinvestment in Aktien von Unternehmen kann in aktive und passive Ansätze unterteilt werden. Der Investor nutzt bei aktiven Ansätzen seinen Aktienbesitz, insbesondere die damit verbundenen Teilhaberrechte, zur aktiven Einflussnahme auf das Unternehmensgeschehen. Dies kann sich in einem Dialog mit dem Management bezüglich einer Änderung der Geschäftspolitik, in kritischen Fragen bei der Hauptversammlung oder gar in einem Entzug des Vertrauens in den Vorstand und/oder Aufsichtsrat äußern. In diesem Fall werden u. U. gerade die Aktien solcher Unternehmen gekauft, die als weniger nachhaltig eingeschätzt werden, um hier entsprechenden Einfluss auszuüben.

Passive Ansätze beschränken sich darauf, bestimmte Aktien zu kaufen (unterstützend) oder in bestimmte Aktien nicht zu investieren (vermeidend). Diesen Ansatz verfolgt das sozial-ökologische Fondsinvestment (der Begriff wird synonym für Umwelt- und Nachhaltigkeitsfonds verwendet).

Die Konkretisierung dessen, was eine Kapitalanlagegesellschaft unter „sozial-ökologisch Wünschenswertem“ versteht, geschieht in der Regel durch die Festlegung eines Kriterienkataloges, der im Verkaufsreglement niedergeschrieben wird. Bei den Anlageentscheidungen müssen diese Kriterien beachtet und jeder potenzielle Portfoliotitel muss auf Erfüllung der Kriterien untersucht werden. Diese Kriterien gelten im Wesentlichen für breit investierte Fonds und finden somit keine Anwendung bei thematischen Fonds, da diese bereits auf ein nachhaltiges Thema (z.B. Erneuerbare Energien) festgelegt sind. Die Kriterien lassen sich in zwei Gruppen einteilen:

  • Negativkriterien (Ausschlusskriterien) und 
  • Positivkriterien (Qualitätskriterien).

Durch den Einsatz von Negativkriterien verzichtet ein Anleger bzw. ein Investmentfonds auf die Investition in Aktien von Unternehmen aus bestimmten Branchen bzw. mit bestimmter Geschäftstätigkeit. Somit ist es möglich, Unternehmen, deren Geschäftstätigkeit oder Produkte nicht dem sozial-ökologischen Anspruch des Anlegers bzw. Fondsmanagements entsprechen, vom Portfolio auszuschließen. Zu den Ausschlusskriterien gehören z. B. die Produktion von Waffen, Tabak oder Alkohol. Bei der Nutzung von Positivkriterien wird vorrangig oder ausschließlich in Unternehmen investiert, die besonders umweltfreundlich produzieren, umweltorientierte Produkte anbieten oder über besonders gute und sozialverträgliche Beziehungen zu Stakeholdern (Mitarbeiter, Liferanten etc.) verfügen.

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Welche Wirkungen hat der Markt auf die Unternehmen?

Der Markt für ethische, ökologische und nachhaltigkeitsorientierte Kapitalanlagen hat in den letzten Jahren einen beeindruckenden Boom erlebt. Mittlerweile hat die Idee, bei der Geldanlage nicht nur die klassischen Kriterien Rendite, Sicherheit und Liquidität zu berücksichtigen, sondern auch darauf zu achten, wie das Kapital investiert wird, beachtliche Verbreitung gefunden.

Das der Einbezug von Nachhaltigkeit stark zugenommen hat, zeigt die Tatsache, dass immer mehr Unternehmen Nachhaltigkeitsberichte publizieren und auf ihren Umgang mit Ressourcen achten. Dies schließt auch die Information über umweltschädliche Abfallprodukte und Treibhausgase mit ein (vgl. Carbon Discloure Project).

Von dem Markt für nachhaltigkeitsorientierte Kapitalanlagen können wichtige Impulse für die Förderung einer nachhaltigen Wirtschaftsweise ausgehen. Je höher der Marktanteil dieser Anlageform ist und je attraktiver es damit für die Unternehmen wird, in den entsprechenden Investmentfonds vertreten zu sein bzw. den Anforderungen sozialökologisch motivierter Aktionäre zu genügen, desto stärker werden sich die Unternehmen bei ihrem Tun an den Kriterien dieser Anleger bzw. Fonds orientieren.

Voraussetzung dafür ist, dass transparent und damit nachvollziehbar gemacht wird, nach welchen Kriterien die Fonds in Unternehmen investieren. Die Plattform "www.nachhaltiges-investment.org" will mit ihrem Informationsangebot dazu beitragen, diese Transparenz sicherzustellen und damit sowohl die weitere Entwicklung des Marktes für nachhaltigkeitsorientierte Kapitalanlagen als auch deren Einfluss auf eine nachhaltigkeitsorientierte Wirtschaftsweise von Unternehmen fördern.

Spezielle Fondsarten/-typen

ETF (Exchange Traded Fund)
Mit der Auflage verschiedener Nachhaltigkeitsindizes besteht die Möglichkeit einen so genannten Indexfonds auf Basis des Indexes zu bilden. Ein Indexfonds zeichnet sich durch ein passives Fondsmanagement aus, d. h. der Index wird nahezu 1:1 in dem Portfolio abgebildet. Durch die passive Abbildung der Indexwerte entfällt daher für diese Fonds die Notwendigkeit eines eigenen Nachhaltigkeits-Researchs.

Themenfonds
Manche Fonds werden auch an bestimmten Themen angelegt. Orientieren sich diese Themen an ethischen oder ökologischen Fragestellungen, gelten die Fonds selbst als nachhaltige Themenfonds. Dies sind z.B. Fonds zu den Themenbereichen Wasser, Solarenergie oder Abfallentsorgung.

Lohnt sich ein Investment auch unter Renditegesichtspunkten?

Häufig wird von den entsprechenden Fonds und Nachhaltigkeitsindizes darauf verwiesen, dass diese nicht nur einen sozialen und ökologischen Nutzen haben, sondern sich auch wirtschaftlich besser entwickeln als konventionelle Fonds. Dabei wird im Hinblick auf die Unternehmen argumentiert, dass Unternehmen mit einer guten Nachhaltigkeitsperformance langfristig wirtschaftlich erfolgreicher sind als andere Unternehmen.

Entsprechende Performancevergleiche zwischen Nachhaltigkeitsindizes und konventionellen Indizes sind in diesem Bereich weit verbreitet. Ein Problem dieser Performancevergleiche ist das so genannte Backtracking. Gemeint ist damit, dass ein Vergleich zwischen dem Nachhaltigkeitsindex und einem Vergleichsindex häufig für einen Zeitraum vorgenommen wird, in dem der Index noch gar nicht existierte. Das Grundproblem dabei ist, dass im Nachhinein bestimmt werden muss, wie sich der Index vor Jahren zusammengesetzt hätte. Das ist besonders dann problematisch, wenn Informationen, die erst 2002 bekannt wurden, eingesetzt werden, um die Indexzusammenstellung z.B. für das Jahr 1996 zu ermitteln.

Verschiedene wissenschaftliche Studien haben versucht, empirisch und statistisch zu überprüfen, ob es einen Zusammenhang zwischen Umwelt- und Sozialperformance von Unternehmen und deren Unternehmenswert gibt. Eine Studie, die das Sustainable Business Institute (SBI) / Institut für Ökologie und Unternehmensführung an der European Business School in Kooperation mit dem Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) und auf Basis von Daten der Bank Sarasin 2005 durchgeführt hat, zeigt, dass Unternehmen mit einem hohen Umwelt- und Sozialengagement wirtschaftlich nicht weniger erfolgreich sind als andere Unternehmen.

Wie kann man sich über den Markt informieren?

Neben den Marktberichten, die regelmäßig als E-Mail Newsletter verschickt und auf der Plattform "www.nachhaltiges-Investment.org" publiziert werden gibt es weitere Informationsquellen. Diese haben wir unter der entsprechenden Rubrik im Bereich Service zusammengestellt. Hier finden Sie auch weitere nützliche Informationen rund um das Thema nachhaltiges Investment.